Lizenzmanagement und NIS2 in Österreich: Ihr Leitfaden für 2026

02.02.26 01:35 PM

von Stefan Pfeiffer

Einleitung

Der 1. Oktober 2026 rückt näher, und das ist ein Datum, das Sie sich im Kalender anstreichen sollten. An diesem Tag tritt in Österreich das neue Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz (NISG 2026) in Kraft. Das Ganze ist aber nicht nur eine weitere IT-Regulierung, sondern eine grundlegende Neuausrichtung der Verantwortung für Cybersicherheit.

Die größte Hürde dabei? Rund 4.000 österreichische Unternehmen sind direkt betroffen, aber viele sind sich noch unsicher, wie sie die ziemlich weitreichenden Anforderungen überhaupt erfüllen sollen.

Dieser Leitfaden erklärt die Kernanforderungen der NIS2-Richtlinie und beleuchtet die oft übersehene, aber entscheidende Rolle, die professionelles Lizenzmanagement und NIS2 in Österreich verbindet, um am Ende wirklich konform zu sein.

Frau vor Daten-Dashboard

Verzeichnis

​1. Die Grundlagen: Was bedeutet die NIS2-Richtlinie für Unternehmen in Österreich

Einfach gesagt: NIS2 ist eine EU-weite Richtlinie, die die Cybersicherheit in 18 kritischen Sektoren in ganz Europa stärken soll. In Österreich wird diese Richtlinie durch das NISG 2026 (Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026) umgesetzt, das ab dem 1. Oktober 2026 für alle betroffenen Unternehmen gilt.

Wer ist denn jetzt genau betroffen? Hauptsächlich mittlere und große Unternehmen aus den definierten Sektoren. Und das ist ein gewaltiger Sprung: Während das alte NISG 2018 nur etwa 100 Unternehmen betraf, sind es jetzt rund 4.000. Alle, die darunter fallen, müssen sich übrigens bis zum 
31. Dezember 2026 registrieren.

Die Richtlinie unterscheidet dabei zwischen „wesentlichen“ (essential) und „wichtigen“ (important) Einrichtungen. Die Einstufung hängt von der Größe des Unternehmens und der Kritikalität des Sektors ab. Der Hauptunterschied liegt in der Art der Aufsicht (proaktiv bei wesentlichen, reaktiv bei wichtigen) und natürlich bei der Höhe der Strafen, die bei Nichteinhaltung drohen.


Ein Vergleich verdeutlicht die Änderungen:
MerkmalNISG 2018 NISG 2026
 Betroffene Unternehmen ca. 100 ca. 4.000
 Sektoren 7 18
Haftung UnternehmenPersönliche Haftung der Geschäftsleitung
Lieferkette Begrenzt betrachtet Umfassende Sicherheitspflichten für unmittelbare Anbieter
 Strafen (max.) Geringer
Wesentliche: 10 Mio. € / 2 % Umsatz
Wichtige: 7 Mio. € / 1,4 % Umsatz
Tabelle: Vergleich von NISG 2018 vs. NISG 2026

​2. Die Kernanforderungen der NIS2-Richtlinie

Die NIS2-Richtlinie ist kein reines IT-Thema, das man einfach an die Technikabteilung weitergeben kann. Sie betrifft das unternehmerische Risikomanagement im Kern und nimmt die Führungsebene direkt in die Pflicht. Schauen wir uns die drei wichtigsten Säulen mal genauer an.

​2.1. Risikomanagementmaßnahmen

NIS2 verlangt einen umfassenden „All-Gefahren-Ansatz“. Das bedeutet, man muss über den Tellerrand der klassischen IT-Sicherheit hinausschauen. Laut der Übersicht der WKO müssen Unternehmen eine ganze Reihe von Maßnahmen umsetzen, darunter:

  • Bewältigung von Cybersicherheitsvorfällen: Sie brauchen etablierte Prozesse, um Angriffe zu verhindern, sie schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.
  • Aufrechterhaltung des Betriebs: Was passiert, wenn doch etwas schiefgeht? Pläne für Backup-Management, Notfallwiederherstellung und Krisenmanagement sind Pflicht.
  • Sicherheit der Lieferkette: Sie müssen die Risiken bewerten und steuern, die von Ihren direkten Anbietern und Dienstleistern, wie zum Beispiel Softwareherstellern, ausgehen.
  • Cyberhygiene und Schulungen: Grundlegende Sicherheitspraktiken und verpflichtende Cybersicherheitsschulungen für alle Mitarbeiter und das Management sind nicht mehr nur optional.
  • Zugriffskontrolle und Verschlüsselung: Klare Konzepte für die Personalsicherheit, Zugriffsrechte und der Einsatz von Kryptografie sind gefordert. Dazu gehört auch die explizite Forderung nach Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).

​2.2. Strenge Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen

Wenn ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall passiert, beginnt die Uhr zu ticken. NIS2 schreibt einen mehrstufigen Meldeprozess an das zuständige CSIRT (Computer Security Incident Response Team), wie zum Beispiel CERT.at, vor:

  • Innerhalb von 24 Stunden: Eine erste Frühwarnung muss raus. Hier reicht es oft schon, den Verdacht auf eine rechtswidrige Handlung zu melden.
  • Innerhalb von 72 Stunden: Jetzt wird es detaillierter. Eine erste Bewertung des Schweregrads, der Auswirkungen und sogenannter Kompromittierungsindikatoren wird fällig.
  • Spätestens einen Monat nach der Meldung: Ein Abschlussbericht muss her. Darin enthalten: eine detaillierte Beschreibung des Vorfalls, die Ursachenanalyse und die ergriffenen Abhilfemaßnahmen.
NIS2-Meldeprozess bei Sicherheitsvorfällen
Dieser enge Zeitplan setzt die internen Prozesse enorm unter Druck und macht einen gut durchdachten und vor allem erprobten Notfallplan unerlässlich.

​​2.3. Persönliche Haftung der Geschäftsleitung

Eine wesentliche Änderung ist die Einführung der persönlichen Haftung für Leitungsorgane. Geschäftsführer und Vorstände müssen die Cybersicherheitsmaßnahmen nicht nur abnicken und genehmigen, sondern deren Umsetzung auch aktiv überwachen und sind dafür persönlich haftbar.

Was heißt das genau? Es drohen nicht nur empfindliche Geldstrafen für das Unternehmen. Das Management kann persönlich zur Verantwortung gezogen werden und im schlimmsten Fall sogar mit einem vorübergehenden Verbot von Führungspositionen belegt werden. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, sind Geschäftsführer und Vorstände sogar verpflichtet, an speziellen Cybersicherheitsschulungen teilzunehmen.

​3. Die kritische Verbindung: Lizenzmanagement und NIS2

Was hat das alles mit Lizenzmanagement zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Der zentrale Punkt ist: Man kann nur schützen, was man kennt und man kann nur verantworten, was dokumentiert ist.

​3.1. Ein lückenloses Software-Inventar als Grundlage

Eine der grundlegendsten Anforderungen für ein funktionierendes Risikomanagement nach NIS2 ist es, jede einzelne Software zu kennen, die im Netzwerk läuft. Ohne ein vollständiges Inventar sind Maßnahmen wie Schwachstellenmanagement oder Zugriffskontrolle praktisch unmöglich.

Hier kommt das große Problem der Shadow IT ins Spiel: nicht genehmigte Software oder SaaS-Abos, die von Abteilungen ohne Wissen der IT abgeschlossen werden. Diese unkontrollierten Anwendungen schaffen massive Sicherheitslücken und Compliance-Risiken und untergraben damit die Prinzipien von NIS2 von Grund auf.

Professionelles Software Asset Management (SAM) ist der einzige verlässliche Weg, ein vollständiges und akkurates Inventar aller IT-Assets zu erstellen und aktuell zu halten. Es ist das Fundament für jede ernsthafte Cybersicherheitsstrategie. Unabhängige Spezialisten wie LYYNX Consulting bieten mit ihrem License Management Service (LMS) genau diese grundlegende Transparenz als gemanagten Service und schaffen so die Basis für eine erfolgreiche NIS2-Umsetzung.

​3.2. Schwachstellenmanagement und Sicherheit der Lieferkette

Sobald man ein vollständiges Software-Inventar hat, kann man es direkt für das Schwachstellenmanagement nutzen. Man kann Versionen nachverfolgen, veraltete und ungepatchte Anwendungen identifizieren und damit eine zentrale technische Anforderung von NIS2 erfüllen.

Gleichzeitig sind Softwarehersteller ein wesentlicher Teil der Lieferkette. NIS2 verlangt, dass man die Risiken, die diese Anbieter mit sich bringen, aktiv managt. Ein sauberes Lizenzmanagement beinhaltet von Natur aus die Verwaltung von Verträgen, Nutzungsrechten und Lieferantenbeziehungen, was direkt zur geforderten Sicherheit der Lieferkette beiträgt.

Zitat Lambert Huber Eine saubere Lizenzbilanz sichert nicht nur die Compliance gegenüber den Herstellern, sondern dient auch als entscheidender Nachweis für NIS2-Audits, dass Sie die Kontrolle über Ihre Softwarelandschaft haben."

​3.3. Audit-Bereitschaft und Nachweisbarkeit

Die Einhaltung von NIS2 wird von der zuständigen Behörde, dem neuen Bundesamt für Cybersicherheit, überprüft. Im Fall einer Prüfung müssen Sie beweisen können, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Ein gut dokumentierter SAM- oder LMS-Prozess liefert genau diese Nachweise. Reports über das Software-Inventar, den Patch-Status oder Nutzungsdaten sind entscheidend, um die Compliance zu belegen. Ein unabhängiger Partner wie LYYNX Consulting hilft dabei, alle Nachweise sauber vorzubereiten und die Datenqualität sicherzustellen. So wird Ihr Unternehmen nicht nur für Software-Audits, sondern auch für Prüfungen durch die NIS2-Behörden „audit-ready“.

​4. In 3 Schritten zur NIS2-Konformität

Hier sind drei konkrete Schritte, die Ihnen helfen, durch besseres Lizenzmanagement NIS2-konform zu werden.

​4.1. Schritt 1: Transparenz schaffen: Asset-Inventarisierung und Analyse

Alles beginnt damit, sich einen vollständigen, automatisierten Überblick über die gesamte IT-Landschaft zu verschaffen. Das umfasst On-Premise-Software, Cloud-Dienste (IaaS, PaaS, SaaS) und alle Endgeräte.

Manuelle Listen, beispielsweise in Excel, sind oft fehleranfällig und schnell veraltet. Nutzen Sie stattdessen spezialisierte SAM-Tools wie Flexera oder Snow, um diesen Prozess zu automatisieren. Die korrekte Implementierung und Konfiguration dieser Tools erfordert allerdings einiges an Expertise. Als zertifizierter Flexera Advisor Partner stellt LYYNX Consulting sicher, dass Ihre Datengrundlage von Anfang an präzise und verlässlich ist.

​4.2. Schritt 2: Risiken bewerten und Prozesse definieren

Sobald die Transparenz da ist, können Sie beginnen, die Risiken auf Basis der neuen Daten zu bewerten. Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Welche Software ist veraltet und hat bekannte Schwachstellen?
  • Welche Systeme sind für den Geschäftsbetrieb absolut kritisch?
  • Welche Software-Lieferanten stellen ein hohes Risiko für unsere Lieferkette dar?

Auf Basis dieser Antworten können Sie klare Prozesse für das Software-Lifecycle-Management definieren – von der Beschaffung über die Bereitstellung bis zur Stilllegung. So verhindern Sie zukünftige Sicherheitslücken und das Entstehen neuer Shadow IT.

​4.3. Schritt 3: Kontinuierliche Überwachung und Optimierung etablieren

NIS2-Compliance ist kein einmaliges Projekt, das man abhaken kann. Es ist ein fortlaufender Prozess und muss zur gelebten Praxis im Unternehmen werden.

Das bedeutet, Sie brauchen eine kontinuierliche Überwachung Ihrer IT-Umgebung, um neue Software, Nutzungsänderungen und aufkommende Sicherheitsbedrohungen in Echtzeit zu erkennen. Genau hier spielt ein Managed Service seinen größten Vorteil aus, denn er stellt sicher, dass der Prozess nachhaltig ist, ohne übermäßig viele interne Ressourcen zu binden.

Ein gemanagter License Management Service (LMS) wie der von LYYNX operationalisiert diesen gesamten Zyklus – von der Inventarisierung über die Risikobewertung bis hin zur kontinuierlichen Überwachung und Berichterstattung. Das sorgt für nachhaltige Compliance und Sicherheit, ohne dass Sie sich täglich darum kümmern müssen.
Der Weg zur NIS2-Konformität kann komplex erscheinen, aber es gibt viele Ressourcen, die den Prozess beleuchten. Um die regulatorischen Anforderungen und die praktischen Schritte für Unternehmen besser zu verstehen, bietet das folgende Video einen hilfreichen Überblick über die aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich Compliance.

Dieses Video gibt einen Überblick über die zunehmenden regulatorischen Anforderungen wie DORA, den AI Act und NIS2 und zeigt, wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können.

​5. NIS2 als Chance für eine sichere und effiziente Zukunft

Ja, NIS2 ist eine gesetzliche Anforderung mit empfindlichen Strafen. Aber es ist auch eine riesige Chance für österreichische Unternehmen, endlich die volle Kontrolle über ihre IT zu erlangen, Sicherheitsrisiken drastisch zu reduzieren und gleichzeitig Kosten zu optimieren.

Ein effektives Softwarelizenzmanagement ist dabei keine reine Nebenaufgabe, sondern ein zentraler Pfeiler für eine erfolgreiche NIS2-Compliance. Unternehmen, die jetzt handeln, vermeiden nicht nur Strafen, sondern bauen eine widerstandsfähigere und wettbewerbsfähigere Organisation auf. Sie verwandeln eine regulatorische Pflicht in einen strategischen Vorteil.

Die regulatorische Landschaft ist komplex, aber Sie müssen das nicht alleine durchstehen. Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr aktuelles Lizenzmanagement den Anforderungen von NIS2 standhält, vereinbaren Sie ein unverbindliches Gespräch mit uns als herstellerunabhängigen Experten von LYYNX Consulting. 

Wir zeigen Ihnen, wie Sie Klarheit, Sicherheit und Compliance schaffen.

​6. Häufig gestellte Fragen

Was ist die größte Herausforderung bei der Umsetzung von NIS2 in Österreich?
Die größte Herausforderung ist oft die fehlende Transparenz über die gesamte IT-Landschaft. Ohne ein vollständiges und aktuelles Software-Inventar ist es unmöglich, Risiken zu bewerten, Schwachstellen zu managen oder die Sicherheit der Lieferkette zu gewährleisten – alles Kernanforderungen von NIS2.


Wer ist für NIS2 in Österreich im Unternehmen verantwortlich?
Die Geschäftsleitung trägt die persönliche und letztendliche Verantwortung. NIS2 verpflichtet Geschäftsführer und Vorstände, die Umsetzung von Cybersicherheitsmaßnahmen aktiv zu überwachen. Die operative Umsetzung ist jedoch eine abteilungsübergreifende Aufgabe, die IT, Einkauf, Recht und Management involviert.


Wie hilft ein externer Dienstleister wie LYYNX bei der NIS2-Compliance?
Ein unabhängiger Spezialist wie LYYNX Consulting schafft die Datengrundlage für die NIS2-Compliance. Durch einen Managed Service wie das License Management Service (LMS) wird ein lückenloses Software-Inventar erstellt und kontinuierlich überwacht. Das liefert die notwendigen Nachweise für Audits und hilft, Risiken proaktiv zu managen.


Ab wann müssen die Anforderungen von NIS2 in Österreich erfüllt werden?
Das entsprechende Gesetz (NISG 2026) tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft. Betroffene Unternehmen müssen sich bis zum 31. Dezember 2026 bei der zuständigen Behörde registrieren und ab dem Stichtag die Anforderungen erfüllen.


Welche Strafen drohen bei Nichteinhaltung der NIS2-Vorschriften?
Die Strafen sind empfindlich und gestaffelt. Für „wesentliche“ Einrichtungen können sie bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes betragen. Für „wichtige“ Einrichtungen sind es bis zu 7 Millionen Euro oder 1,4 % des Umsatzes. Zusätzlich haftet die Geschäftsleitung persönlich.


Ist NIS2 nur ein Thema für die IT-Abteilung?
Nein, absolut nicht. Während die IT-Abteilung eine zentrale Rolle bei der technischen Umsetzung spielt, ist NIS2 ein strategisches Thema für das gesamte Unternehmen. Aufgrund der persönlichen Haftung und der weitreichenden Anforderungen an das Risikomanagement ist es ein Thema, das direkt auf der Ebene der Geschäftsführung angesiedelt ist.


Beginnen Sie jetzt mit einem unverbindlichen Erstgespräch – und verschaffen Sie sich Klarheit über das tatsächliche Optimierungspotenzial Ihres Lizenzbestands.


Neuigkeiten direkt ins Postfach – jetzt Newsletter abonnieren!